Chiara Sukale


Der Bundesstaat Queensland in Australien wird zurzeit von heftigsten Überschwemmungen heimgesucht, zahlreiche Menschen mussten bereits ihr Leben lassen oder haben ihre Heimat verloren. Dennoch fliegt Chiara Sukale heute wieder an die Ostküste Australiens zurück, wohin sie vor sechs Jahren auswanderte.

Am 19. Februar 2005 packte sie ihre Siebensachen und zog ins Outback, wo Schaf- und Rinderfarmen Ausmaße wie in Europa ganze Länder haben.

Mittlerweile kennt sie Land und Leute durch zahlreiche Jobs wie Kindermädchen in Sydney, Köchin in New South Wales auf einer 150 000 Hektar großen Baumwollfarm, Kindermädchen auf einer Schaffarm in Warren oder als Cowgirl auf riesigen Rinderfarmen mit bis zu 400 000 Hektar Flächen und 30 000 Rindern. Reich konnte sie dabei nicht werden, vielmehr waren es die Neugier und das Abenteuer, die die heute 26-jährige ans andere Ende der Welt zogen, wo sie auch nicht alltägliche Arbeiten wie Impfen oder Kastrieren von Lämmern verrichtete.

Doch irgendwann wollte sie auch mal richtige Einkünfte beziehen und von ihren Eltern, die sie anfangs mit Taschengeld unterstützten, finanziell unabhängig werden. Nachdem sie ein halbes Jahr als Assistentin für einen Pferdetrainer bei Turnieren arbeitete und die Verantwortung für 22 Pferde innehatte, nahm sie im Juni 2009 eine Ausbildung in medizinischer Massagetherapie für Menschen auf. Anschließend bildete sich in Pferdemassage-Therapie weiter. Das Zertifikat brachte ihr eine Anstellung als selbstständige Masseurin und Kursleiterin für Massagetherapie in einer Klinik ein.

Jetzt strebt sie ein Fernstudium in Naturheilmedizin für Tiere an, um später als Physiotherapeutin für Tiere zu arbeiten. Ein Beruf, der in Australien sehr gefragt ist, wie Chiara Sukale sagt. Überhaupt sei es dort relativ einfach, einen Job zu bekommen, wenn man eine entsprechende Qualifikation vorweisen könne. "Oft bekommt man eine Stelle angeboten, aber auch durch Empfehlungen läuft sehr viel" weiß sie. Da die Deutschen für ihre Zuverlässigkeit bekannt sind, werden sie zudem gerne eingestellt. Die Arbeitsmoral der Australier sei dagegen eher etwas lax, die Einstellung "was ich heute nicht schaffe, schaffe ich eben morgen" sei fast schon normal. Staatliche Unterstützung gibt es nicht, daher bemühe man sich schnell um einen Arbeitsplatz. Dieser ist neben der englischen Sprache und dem Nachweis eines Bankguthabens in Höhe des Rückflugtickets (2500 Dollar) Voraussetzung für den Erhalt des permanenten Visums, das die Unadingerin in der Tasche hat.

Die Australier lassen sich nach ihren Erfahrungen nicht so schnell aus der Ruhe bringen, was auch ihre Besonnenheit bei der derzeitigen Flutkatastrophe begründe. Die Wassermassen hatten ihren Wohnort Emerald/Queensland, wo sie zusammen mit einem Mitbewohner auf einer 70 Hektar großen Farm mit zwei Pferden und drei Hunden lebt, bis zu 80 Prozent eingenommen. Mittlerweile beginnen nach dem Abfluss die Aufräumarbeiten. Dass in ihrem Haus jetzt auch noch eingebrochen wurde, erfuhr sie gestern von ihren Bekannten. Regen an Weihnachten, wenn in Australien Sommer ist, sei normal. Doch im letzten Jahr habe es seit Oktober fast ständig geregnet und ein Ende sei noch nicht in Sicht. Auf der anderen Seite gebe es immer wieder Dürreperioden, die den landwirtschaftlichen Betrieben arg zusetzten. "Das Wetter fällt von einem Extrem ins andere" weiß die Wahlaustralierin, die sich bei 50 Grad Hitze auch schon mal ein Spiegelei auf der Schaufel brät.

Hoffnung auf einen problemlosen Rückflug
Heute macht sie sich wieder auf den 16 000 Kilometer langen Rückflug, von dem sie hofft, dass er reibungsloser als ihr Flug nach Deutschland vonstatten geht. Denn technische Probleme sowohl auf der ersten Etappe von Emerald nach Brisbane als auch von Sidney nach Bangkok führten zu Verspätungen und jeweils zu dem Verpassen der Anschlussflüge. So saß sie schließlich in London, ihre Mutter verhandelte telefonisch mit den Airlines und buchte ihr zuletzt auf eigene Kosten einen Flug nach Nürnberg. Mit vier Tagen Verspätung kam sie in Unadingen an und konnte hier ihre Eltern und vier Geschwister kurz vor Heiligabend umarmen. Und was hat sie zu Weihnachten bekommen? "Ein Stethoskop", das könne sie sehr gut gebrauchen, sagt die "Pferdeflüsterin.

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(Badische Zeitung / 04.02.2011)