Karin Schwörer
Die Auswirkungen der Internationalen Jugendbegegnungen des Badischen Landjugendbundes (BBL) in Freiburg wurden am vergangenen Samstag deutlich, als sich Karin Schwörer aus Unadingen und Joze Hladnik aus Petkovec das Ja-wort gaben und den Schwarzwäldern einen Einblick in die slowenischen Hochzeitsbräuche gewährten.


Keine Spur von Müdigkeit war den 44 slowenischen Hochzeitsgästen nach ihrer zwölfstündigen Busfahrt anzumerken: Die Quetschkommoden aus dem Gepäck geholt, sorgten sie am Freitagabend sofort für Feststimmung, die bis zur Abfahrt am Sonntagmorgen anhielt. Die standesamtliche Trauung im Rathaus in Unadingen wurde daher auch von Ziehharmonikaklängen und Gesang der wartenden Gäste begleitet, die bei strahlendem Sonnenschein auf dem Rathausplatz das Tanzbein schwangen. Zwischendurch ließen immer wieder Glockenspieler vier an einer kunstvoll geschnitzten Holzvorrichtung angebrachte Glocken ertönen. Diese sollen die Kirchen rund um Petkovec (30 Kilometer südlich der Hauptstadt Ljubljana) symbolisieren, war von der 18-jährigen Ursa zu erfahren. In einer der vier Kirchen, die dem heiligen Hieronymus geweiht ist, wird das Brautpaar am 23. Juli den kirchlichen Segen erhalten.
Großer Jubel begegnete den Frischvermählten, die sich im Blütenregen durch das Spalier von Verwandten, Freunden und Landjugendmitgliedern ihren Weg bahnten. Für Einheimische war die „Anzugsordnung“ einiger Festgäste etwas außergewöhnlich, doch fand sich die Erklärung in der noch bevorstehenden Waldarbeit. Unter Aufsicht von Revierleiter Bruno Wiehl fällten zwölf männliche Gäste im Unadinger Wald zwei Fichten, die bis auf die Spitzen noch an Ort und Stelle entastet und entrindet wurden. Dem slowenischen Waldarbeitertrupp bestätigte Wiehl außergewöhnliche Geselligkeit bei hohem Arbeitseifer. Unterdessen banden die Frauen Reisigkränze vor der Abbundhalle der Zimmerei der Brauteltern, in der zünftig gefeiert wurde. Unter Applaus der Gäste und vieler Nachbarn wurden die beiden 20 Meter hohen mit den Flaggen beider Länder versehenen Maien zur späten Stunde am Eingang des Elternhauses der Braut aufgestellt.
Kennen gelernt haben sich die beiden Jungvermählten anlässlich einer Jugendbegegnung des Bundes Badischer Landjugend im Jahre 1998, als Joze sich mit weiteren 31 jungen Leuten fünf Tage in Una-dingen aufhielt. Briefwechsel und gegenseitige Besuche folgten, ehe die damalige Abiturientin bei einem dreimonatigen Aufenthalt 2002 Land, Leute und die slowenische Sprache kennen lernte. Durch ihren mehrwöchigen Einsatz bei einer Holzfirma in Skofja erhielt sie zudem einen Einblick in die Berufswelt. Nach diesen durchweg positiven Eindrücken fiel es der Schwarzwälderin nicht mehr schwer, nach der Ausbildung im Bereich Management/Marketing am Institut für Sprachen und Wirtschaft in Freiburg Anfang des Jahres den Wohnsitz nach Slowenien zu verlegen. Während der „frisch gebackene“ Ehemann derzeit sein Studium zum Agraringenieur beendet, arbeitet die junge Braut im Vertrieb einer Holzfirma. Nach anfänglicher Konversation in Englisch kann sich das Paar heute sowohl in Slowenisch als auch in Deutsch unterhalten.
„Hier im Schwarzwald hat Joze eine Mädchenblüte weggerissen und sie über die Alpen in die slowenische Heimat gefahren. Zur Erinnerung wollen wir eine slowenische Linde pflanzen. Sie soll hier schön blühen, Karin aber in Slowenien glücklich leben“ lautet die Inschrift am frisch gepflanzten Lindenbaum im Garten der Brauteltern, die den Abschied von ihrer Ältesten etwas erleichtert dürfte.


Badische Zeitung vom 24. Juni 2005
Von Christa Maier